Wirtschaftlichkeitsberechnung am Beispiel Krippendach Vaterstetten

Grundlage jeder Investitionsentscheidung ist eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, in der die über die Zeit erwarteten Ergebnisse ins Verhältnis gesetzt werden zu den aufgewendeten Mitteln. Das Ergebnis kann als Zahlenwert ausgedrückt werden. Allerdings sieht man diesem Zahlenwert nicht an, welche Parameter und Annahmen für die Berechnung verwendet wurden. Deshalb ist ein einfacher Zahlenwert ohne Beschreibung der zu Grunde gelegten Annahmen nicht aussagekräftig.

Die tatsächlichen Ergebnisse werden von den berechneten Ergebnissen abweichen, je mehr die Realität von den Annahmen abweicht. Die am Ende erreichte Wirtschaftlichkeit kann also besser oder schlechter als das berechnete Ergebnis sein. Bei einem Zeitraum von 20 Jahren können viele Annahmen nur Schätzungen sein, die nach 20 Jahren erreichte Wirtschaftlichkeit kann deshalb nach beiden Seiten größeren Abweichungen unterliegen.

Für PV-Anlagen haben wir in der Genossenschaft folgende Annahmen zu Grunde gelegt:

 

Einnahmen

Grundlage für die Einnahmen ist die erwartete Strommenge, multipliziert mit der Vergütung.

Die Vergütung ist gesetzlich festgelegt, aber abhängig vom Fertigstellungstermin der Anlage. Derzeit verringert sich die gesetzliche Vergütung um 2,5% pro Monat. Außerdem wird die Vergütung ab 2014 nur noch für 90% der produzierten Strommenge gezahlt. Die restlichen 10% müssen selbst vermarktet werden. Das kann durch Abnahme des Stroms direkt im Gebäude, oder durch Vermarktung durch E.ON zum Börsenpreis geschehen. Wir gehen derzeit in der Berechnung ab 2014 für die gesamte Laufzeit von 90% Einspeisung und einer Abnahme von 10% zum Börsenpreis von 5 ct/kWh aus. Eine mögliche Verbesserung der Einnahmen durch Direktvermarktung (ähnlich Eigenverbrauch) ist nicht berücksichtigt.

Die produzierte Strommenge hängt vom Wetter und von der Einstrahlung der Sonne ab. Die gesamte jährliche Einstrahlung kann mit dem kostenlos verfügbaren System PVGIS der Europäischen Kommission ermittelt werden, welches auf einer gut gepflegten Datenbank für Strahlungsdaten basiert:

http://re.jrc.ec.europa.eu/pvgis/apps4/pvest.php?lang=de&map=europe

In die Berechnung geht der Ort ein (Vaterstetten), sowie die Neigung (10°) und der Azimut (0°). Als Datenbank wird die neuere, satellitengestützte SAF-Datenbank verwendet. Die geschätzten Systemverluste bleiben mit 14% voreingestellt, ebenfalls alle anderen Werte. Dies ergibt für 1 kW installierte PV-Leistung einen Stromertrag von 969 kWh im Jahr.

Die Leistung der PV-Module kann mit der Zeit nachlassen. Deshalb wird die berechnete Leistung nur für das erste Jahr verwendet, jedes weitere Jahr wird mit einem typischen Wert von 0,5% Degradation belegt.

 

Ausgaben

Unter Ausgaben fallen alle laufenden Ausgaben, z.B. für Wartung, Versicherung, Betrieb und Reparaturen an. Die Kosten für Wartung und Versicherung sind vertraglich fixiert. Die verwendeten Komponenten sind für die erwartete Lebensdauer ausgelegt, und für die Module gibt es zusätzlich eine Herstellergarantie über 25 Jahre. Deshalb haben wir eine vergleichsweise geringe Instandhaltungsrücklage von 0,5% der Anschaffungskosten pro Jahr angenommen. Damit wäre zum Beispiel der einmalige Ersatz der Wechselrichter abgedeckt.

Weitere Ausgaben fallen für die Genossenschaft an, z.B. für Buchhaltung, Jahresabschluss und Verbandsbeiträge, verteilt auf alle Projekte. Diese Ausgaben sind aber nicht einem einzelnen Projekt zuzuordnen, und deshalb in der Projektberechnung nicht enthalten.

 

Finanzierungskosten

Mit Finanzierungsmodellen lassen sich höhere Renditen erreichen, solange der Zinssatz für die Finanzierung deutlich niedriger ist als die Rendite ohne Finanzierung. Ein Beispiel: Eine Investition über 100.000 € und einem Ertrag von 5.000 € im Jahr liefert eine Rendite von 5%. Wenn jetzt für diese Investition die Hälfte über einen Kredit zu 2,5% finanziert wird, fallen für ein Jahr zusätzliche Zinskosten von 1.250 € an (2,5% von 50.000 €). Der Ertrag wäre also nur noch 3.750 €, die Rendite steigt dagegen auf 7,5%, da die Eigenkapitalsumme nur noch 50.000 € beträgt.

Die Genossenschaft entscheidet pro Projekt, ob und welche Finanzierungsmöglichkeiten genutzt werden. Unabhängig davon wird die Wirtschaftlichkeitsberechnung grundsätzlich ohne Finanzierung berechnet, um die reine Objektrendite zu ermitteln und die Vergleichbarkeit mit anderen Projekten zu ermöglichen.

 

Dividenden, Steuern und Abschreibungen

Die Mitglieder erwarten für ihre Anteile eine Dividendenzahlung, zusätzlich muss die Genossenschaft für ihre Gewinne Steuern bezahlen, während Abschreibungen über die Laufzeit zu steuerlichen Entlastungen führen. Wie bei den Finanzierungskosten möchten wir in der Wirtschaftlichkeitsberechnung die Rendite eines Projekts ermitteln und vergleichen können. Deshalb werden Dividenden, Steuern und Abschreibungen hier nicht mit berücksichtigt.

 

Inflation

Grundsätzlich spielt bei Zeiträumen von 20 Jahren die Inflationsbetrachtung eine wichtige Rolle. Bei einer PV Anlage bleibt die Vergütung jedoch gemäß EEG über den gesamten Zeitraum konstant. Da im Unterschied zur allgemeinen Preisentwicklung bei PV-Anlagen von einer weiteren Senkung der Anlagenpreise auszugehen ist, sind auch keine Kostensteigerungen bei Wartung oder Versicherung zu erwarten. Deshalb wird die gesamte Berechnung ohne Berücksichtigung der Inflation durchgeführt.

 

Restwert

Nach 20 Jahren ist die Anlage zwar steuerlich abgeschrieben und die Vergütung nach EEG beendet, die Anlage kann aber dann immer noch Strom liefern und einen Restwert beinhalten. Selbst eine geringe Vergütung kann dann einen erheblichen Zusatzgewinn erzeugen und die Gesamtrendite verbessern. Da eine Abschätzung über den Wert nach 20 Jahren aus heutiger Sicht aber schlicht unmöglich ist, wird zur Vergleichbarkeit immer ein Restwert von 0 angenommen.

 

Beispielberechnung für das Krippendach Vaterstetten

Die exakten Zahlen stehen erst fest, wenn die Anlage am Stromnetz angeschlossen ist. Die folgende Berechnung stellt den Ablauf der Berechnung beispielhaft dar, einzelne Werte können sich noch ändern.

 

Anschaffungskosten:

Kosten der Anlage: 50.000 € inkl Montage

Leistung der Anlage: 30 kWp

Erzeugte Strommenge: 29.070 kWh im ersten Jahr (bei Einspeisung über das gesamte Jahr)

 

Laufende Einnahmen:

in 2013:

Einspeisevergütung: 17,45 ct (bis 10 kWp), 16,56 ct (über 10 kWp), ergibt einen Durchschnitt von 16,85 ct/kWh für 30 kWp

Bei Einspeisung ab März erzielen wir ca. 94,1% der Jahresgesamtleistung, ergibt für 2013  4.609 €

ab 2014:

Einspeisevergütung: 16,85 ct (für 90%), 5 ct Marktpreis (für 10%), ergibt einen Durchschnitt von 15,67 ct/kWh

Einnahmen ab 2014: 4.531 € abnehmend bis 4.140 €, Durchschnitt 4.333 € / Jahr über 19 Jahre

 

Laufende Ausgaben:

Kosten für Betrieb (Versicherung, Wartung) pro Jahr: 600 €

Rücklagen für Reparaturen pro Jahr: 250 €

Gesamtkosten: 850 € / Jahr

 

Überschuss und Rendite:

Überschuss in 2013: 3.759 €

Überschuss ab 2014: 3.483 € / Jahr im Durchschnitt

Einnahmen über 20 Jahre: 69.936 €
Dies entspricht 140% des eingesetzten Kapitals, oder einer Gesamtrendite von 3,5%

 

Zusammenfassung

Die errechnete Rendite für das erste Genossenschaftsprojekt ist durch die von der Politik beschlossenen Kürzungen für die Einspeisevergütung deutlich geringer, als es noch vor 1 – 2 Jahren möglich gewesen wäre. Dennoch ergibt sich ein vernünftiges und tragbares Ergebnis. Von diesem Ergebnis müssen noch Aufwände für Steuern und Abgaben und den Betrieb der Genossenschaft abgezogen werden, bevor unter Berücksichtigung von Rücklagen die Generalversammlung über die Dividende entscheiden kann.

Das Ergebnis ist auf jeden Fall auf Basis der oben genannten Annahmen zu interpretieren, und nicht nur als simpler Zahlenwert. Die tatsächliche Rendite kann durch zusätzliche Kosten, insbesondere unerwartete Defekte und Reparaturen, deutlich sinken. Sie kann aber auch steigen, z.B. wenn der Strom durch direkte Abnahme innerhalb des Gebäudes zu höheren Einnahmen führt. Durch die optionale Verlängerung des Dachnutzungsvertrags auf mehr als 20 Jahre können zudem weitere Einnahmen generiert werden, der daraus entstehende Restwert addiert sich direkt zu den oben genannten Einnahmen und kann das Ergebnis entscheidend verbessern.