Die Energiewende ist in Bürgerhand

Die folgende Erklärung wurde anlässlich des ersten Bundestreffens der deutschen Energiegenossenschaften parteiübergreifend von den Bundestagsabgeordneten Hans Josef Fell (Die Grünen), Josef Göppel (CSU), Ingbert Liebing (CDU) und Waltraud Wolff (SPD) unterzeichnet. Ein Bericht dazu findet sich auf der Web Site von Hans Josef Fell.

Energie aus Bürgerhand stärken

Berliner Aufruf

19. November 2012

Das erste Bundestreffen der deutschen Energiegenossenschaften und Bürgerenergieprojekte drückt eine neue Qualität bürgerschaftlichen Engagements aus. Die Kleinerzeuger von Energie formieren sich, um den weiteren Verlauf der Energiewende bewusst mitzugestalten.

Die deutsche Bevölkerung greift die Chancen der Energiewende aktiv auf: Seit 2005 haben sich über 80.000 Bürger in rund 600 Energiegenossenschaften zusammengeschlossen - das ist die konsequenteste Form der Bürgerbeteiligung mit dem Prinzip des gleichen Stimmrechts für alle. Darüber hinaus gibt es weitere Formen des genossenschaftlichen Engagements, die ebenfalls auf dem Kongress vorgestellt werden. Ihnen allen ist gemein, dass sie die Energiewende dezentral gestalten und die Wertschöpfung in der jeweiligen Region halten.

Ermöglicht wird das durch einen historischen Entwicklungsschub, der die technologischen Grundlagen des Lebens in Richtung Dezentralität und Kleinteiligkeit verändert: Durch das Zusammentreffen neuer Informationstechnologien mit erneuerbaren Energien können Millionen Menschen von passiven Energiekonsumenten zu eigenverantwortlichen Akteuren in der Wirtschaft werden. Das Einkommen aus der Energieproduktion fließt nicht mehr in anonyme Aktienpakete, sondern kommt Landwirten, Hausbesitzern, Handwerkern und vielen Privatleuten zugute, die sich an Windrädern und Solaranlagen beteiligen oder diese vor Ort installieren und warten. Das ermöglicht eine breite Eigentumsstreuung im Energiebereich und stärkt so die Mittelschichten der Gesellschaft.

In den Städten ist Solarstrom die einzige erneuerbare Energie, die leicht angewendet werden kann und direkten Eigenverbrauch ermöglicht. Photovoltaik weist keine mechanisch beanspruchten Teile auf und durch die Direktbelieferung von Mietern wird eine Durchleitung durch Hoch- und Höchstspannungsnetze überflüssig. In Verbindung mit dem kostenfreien Betriebsstoff Sonne können mehr Dachflächen in den Städten marktwirtschaftlich tragfähig zur Energieversorgung genutzt werden.

Auch das Leben auf dem Land bekommt durch die dezentrale Energiewende eine neue ökonomische Basis. Junge Menschen sehen dort wieder Perspektiven. Durch die regionale Versorgung mit Energie bilden sich neue Stadt-Land-Partnerschaften, die das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Region stärken. Denn nur auf dem Land lassen sich Wind und Biomasse nutzen und tragen so zur Stabilisierung der Stromversorgung bei. Biomasse kann an die Nachfrage angepasst werden und helfen, Lücken in der Stromproduktion durch Sonne und Wind zu überbrücken.

Insgesamt fördert die Dezentralisierung eine stabilere Stromversorgung. Die Gesellschaft ist nicht mehr von wenigen Großkraftwerken abhängig oder steigenden Rohstoffkosten und Unsicherheiten im Import ausgeliefert, sondern kann flexibel und selbstbestimmt reagieren. Außerdem tragen die erneuerbaren Energien mittelfristig zur Verbilligung des Stroms bei. Zwar erfordern sie hohe Anfangsinvestitionen, doch der „Brennstoff“ bei den Hauptenergieträgern Wind und Sonne kostet nichts.

Diese Aspekte machen erneuerbare, dezentrale Energieversorgung besonders für Entwicklungsländer interessant. Deutschland hat als weltweiter Vorreiter bei der Energiewende einen Vorsprung, der in der Entwicklungszusammenarbeit und im Außenhandel große Potenziale bietet und zugleich Chancen für die Bevölkerung in diesen Ländern schafft. Erneuerbare Energien eröffnen den Menschen auf dem Land wirtschaftliche Perspektiven und wirken so der weiteren Slum-Bildung entgegen.

Die Energiewende muss deshalb entschlossen weiter geführt werden. Sie stärkt die Chancen Deutschlands auf dem Weltmarkt und hilft mit, unsere wirtschaftliche Zukunft zu sichern.

Auf Initiative der Bundestagsabgeordneten:

Hans Josef Fell (Die Grünen) Josef Göppel (CSU)
Ingbert Liebing (CDU) Waltraud Wolff (SPD)

Quelle (PDF Datei): www.hans-josef-fell.de/content/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=765&Itemid=77